Xin chao Vietnam - Guten Tag Vietnam

Annika unterwegs

10 Uhr, 35 Grad, 11 Millionen Einwohner: völlig geflasht von Ho-Chi-Minh-City, diesem Meer aus 7.000.000 Mopeds beginnt mein Abenteuer. Insgesamt zwölf Reisekumpanen zwischen 18 und 40 Jahren werden mich die kommenden Tage begleiten. Das coolste dabei: alle kommen aus verschiedenen Teilen der Welt; Dan zum Beispiel aus Sydney und Kathy aus Brighton. Fünf Nationalitäten haben wir auf dieser Reise, deswegen wird Englisch gesprochen. Nachdem ich mich bei den ersten Gefährten vorstellte, sah ich im Hintergrund einen breit lächelnden Vietnamesen der uns zusammentrommelte. Huyen stellte sich als unser Chief Experience Officer (CEO) vor und sollte ab jetzt unser treuer Begleiter sein. Den kommenden Tag begann unsere Rikscha-Tour durch das ehemalige Saigon. Tina aus Toronto hatte sich den Michael Schumacher unter den Rikscha-Fahrern geangelt. Auf Teufel komm raus überholte er an jeder Ampel und Kreuzung seine Kollegen. Zum Glück fungierte Tinas lautes Organ als natürliche Klingel.

Der CEO

Ein vietnamesisches Hochzeitspaar lies sich vor der traumhaften Kulisse des alten Postamtes für die Nachwelt ablichten. Wie Frauen eben so sind, egal aus welchem Land sie kommen, haben einige von uns das Shooting mit lautem ohhh und how beautifulkommentiert, so dass uns eine junge Dame, die sich als Schwester der Braut vorstellte, heran winkte. Sie lud uns zu einem kurzen Fotoshooting ein. So eine bunte Reisetruppe lassen sich dann auch die Vietnamesen nicht entgehen. Was für ein Erlebnis! "Nehmt die gelben Taxen", hatte unser Reielseiter Huyen am nächsten Tag für den optionalen Ausflug zu einer Pagode empfohlen. Wir haben wohl das einzige schwarze Schaf unter den gelben Taxen erwischt. Drei Kilometer von unserem eigentlichen Ziel entfernt wurden wir abgesetzt. Auf Schusters Rappen machten wir uns leicht genervt auf zur Pagode. Aber nichts passiert ohne Grund: das Schicksal entlohnte unseren Fußmarsch, als wir an einem Buddhistischen Tempel vorbeikamen. Mar aus Spanien schielte neugierig durch die leicht geöffnete Tür herein und prompt bat ein Mönch uns einzutreten. Einen Schal auf die Schultern gelegt, schauten wir uns langsam und ruhig um. Aus dem oberen Trakt des Tempels konnten wir verzaubernde Gesänge hören. Als wir näher kamen, waren wir live bei einer Zeremonie dabei - atemberaubend. Im Anschluss gaben wir eine kleine Spende und machten uns auf in Richtung Ausgang. Dort wurden wir jedoch von einem der Mönche abgefangen, der uns, man glaubt es kaum, zu Tee mit Gebäck einlud. Die Ruhe und diese freundliche Geste der Mönche haben mich tief beeindruckt. Das eigentliche Tagesziel, die Pagode, haben wir komplett vergessen. Dieses Erlebnis war an diesem Reisetag nicht mehr zu toppen!

Stadtleben

Am Abend trafen wir dann wieder auf den Rest der Gruppe und es stand unsere zweite Nachtzugfahrt auf dem Programm. Dieses Mal waren wir gewappnet. Socken, lange Pullover, Schal und Mütze wurden brav auf den Betten positioniert, um dort auf Ihren Einsatz zu warten. Murphys law... Alles umsonst, denn dieses Fahrt hätte man auch als Saunafahrt verkaufen können. Auch der Qualitätsunterschied der vietnamesischen Züge konnten wir am eigenen Leib testen. Unsere erste fröstelnde Fahrt war definitiv nicht so authentisch wie die zweite. Dank Sagrotan konnten die Bakterien der Vorschläfer erfolgreich bekämpft werden. Gegart kamen wir am nächsten Morgen in Da Nang an und fuhren direkt weiter zum Stadthotel nach Hoi An. Diese UNESCO Welterbestadt hat es mir angetan. Unzählige Sehenswürdigkeiten, Millionen Lampions, Fahrräder und etliche Schneidereien säumen das Stadtbild. Schneider da war es das Losungswort. Unglaublich billig ist es, sich hier etwas in einer der über hundert Schneidereien anfertigen zu lassen. Zwei wunderschöne Kleider habe ich mir gegönnt und durfte ein wahres Schneider-Event erleben. Etliche Bücher und Zeitschriften mit Schnitten liegen in der klimatisierten Grossschneiderei, welche uns Huyen empfohlen hatte, aus. Überall hektisches Treiben. Kleine, hübsch angezogene Vietnamesinnen stecken Kleider der Touristen ab oder helfen den unentschlossenen Damen und Herren bei Ihrer Stoffauswahl. Ich war übrigens vorbereitet und hatte mir schon vor meiner Reise für zwei Schnitte entschieden. Aber ein Wahnsinn waren die etlichen Stoffe aus denen Du Dir Deinen passenden auswählen kannst. Alle erdenkliche Farben zu sehr unterschiedlichen Preisen. So kann Dein Wunschkleid auch mal 100 USD mehr oder weniger kosten. Geschlagene 2 Stunden hat es gedauert bis ich den passenden Stoff und die Farbe zusammen hatte und machte dann gleich einen Termin für den nächsten Tag zur Anprobe aus. In weniger als 18 Stunden sollten beide Kleider zum ersten Fitting fertig sein. Flink die Damen...

Stadtleben

Von der Anprobe geht es dann nicht nur gedanklich zum Essen. Ich bin eine leidenschaftliche Hobbyköchin. Unser CEO Huyen hat mir den Tipp gegeben heute einen optionalen Kochkurs bei Hung zu buchen. Ich freue mich, dass auch Evy aus Kanada und Lasse aus Norwegen mich begleiten. In dem Restaurant angekommen machten wir uns gleich wieder auf den Weg zum Markt. Hier erfuhren von unserem Koch Hung viel über die Vietnamesische Küche und deren Zutaten. Ein wundervoller Duft hing über diesem Markt. Anschliessend hieß es dann den Kochlöffel schwingen, bei musikalischer Untermalung und leckeren Mojitos. Ohne übertreiben zu wollen, aber ich glaube ich habe selten so lecker gegessen wie an diesem Abend. Am kommenden Tag wartete dann das Fitting auf mich. Nach dem gestrigen Essen musste ich meinen Bauch ganz schön einziehen bei der Anprobe. Mein Gott war das Kleid eng. Wie mir Huyen später erzählte, Schneidern die Vietnamesen alles auf den Leib, lassen also wenig Luft für körperliche Veränderungen. Ich habe beide Kleider übrigens etwas weiten lassen, was innerhalb von 30 Minuten umgesetzt wurde. Und dann war es vollbracht. Ich war nun um zwei wunderschöne maßgeschneiderte Kleider reicher und 120 USD ärmer. Übrigens warte ich nun seit 3 Monaten auf den Moment die Kleider auch endlich mal anzuziehen...

Stadtleben

Mit spektakulären Aussichten ging es dann nach zwei Tagen Hoi An über den 20 km langen Wolkenpass weiter nach Hue. Eine natürliche Grenze und Wetterscheide zwischen Süd- und Nord-Vietnam. Da Hue wunderschön zwischen Reisfeldern und Hügeln liegt haben wir uns alle entschieden eine optionale Radtour zu buchen. Entspannte 4 Stunden biken bei 37 Grad sind herausfordernd, aber die wunderschönen Landschaften und Bauten belohnen. Hue ist seit Mitte der Neunziger Jahre nämlich UNESCO Weltkulturerbe. Wer es bis dato nicht nach Beijing geschafft hat, kann sich zum Beispiel die kleine Version der verlorenen Stadt hier anschauen. Act like a local at the night market. Umgeben von vietnamesischen Stimmen haben wir uns ins Getümmel geworfen. Auf kleinen Kinderstühlen sitzend, haben wir das wusellige Nachtleben von Hue mal wieder bei einem Tiger oder 333 (auf Vietnameisch Ba-Ba-Ba, da Ba für 3 steht) auf uns wirken lassen. Aller guten Dinge sind drei. Am Tag 8 erwartet uns dann unsere letzte Nachtzugfahrt dieser Reise: Hue bis Hanoi. Warm oder kalt, das ist hier die Frage. Herrlich, auch in Vietnam kann eine Zugfahrt ganz normal verlaufen. Gemeinsam mit unseren neuen vietnamesischen Freunden aus der Nebenkabine haben wir den Abend mit lustigen Geschichten ausklingen lassen.

Stadtleben

Am frühen Morgen erreichen wir dann Hanoi. Mit unserem local guide machen wir uns dann auf zur Halong Bucht. In meinen Augen gehört die Halong Bucht zu den Sehenswürdigkeiten, die man gesehen haben muss. Mit dem Boot geht es dann durch diese wundervolle Felslandschaft und ihren Höhlen. Rund 1900 Kalkfelsen ragen hier zum Teil 100 Meter hoch aus dem Wasser. Der Legende nach entstand die Bucht übrigens durch einen Drachen, der in den Bergen nahe am Meer lebte. Als er zur Küste lief, zog er mit seinem Schwanz tiefe Furchen in das Land, welches vom Meer überflutet wurde, nachdem der Drache ins Wasser getaucht war. Ob Drache oder Naturereignis, diese Bucht hat mir echt den Atem geraubt. Witzig in Erinnerung sind die kleinen ALDI-Boote. Boote bis oben hin bepackt mit allen erdenklichen Lebensmitteln. Ein Kescher dient dann als verlängerte Hand um das Geld gegen Ware auszutauschen. Wir konnten das Kauferlebnis Halong Bay live miterleben, denn Dan hatte seine Zigaretten im Bus liegen lassen.

Zurück in Hanoi, haben wir am vorletzten Tag unserer Reise die Möglichkeit uns Hanoi anzuschauen. Im Vergleich zu HCMC geht es in dieser Stadt viel entspannter zu. Nach einem gemeinsamen Orientierungslauf stehen optionale Ausflüge wie zum Beispiel zur Tran Quoc Pagode oder dem Literaturtempel zur Auswahl. Ich habe mich für die Altstadt von Hanoi entscheiden. Ein unglaubliches Gewirr schmaler Gassen. Auf den Bürgersteigen haben Händler ihre Waren ausgebreitet, wobei jede Straße einem bestimmten Produkt widmet. Und so sind die Straßen nach den Artikeln benannt, die hier solange man denken kann, verkauft werden. Hang Bo ist zum Beispiel die Korbgasse, Hang Buom die Gasse der Segelmacher und Hang Non die Gasse der Hutmacher. Am kommenden Tag heißt es dann auch schon Abschied nehmen, von Vietnam und meiner kleinen neuen internationalen Familie. Nach 12 Tagen gemeinsamen Erlebnissen fällt es mir gar nicht so leicht mich zu verabschieden. Aber mich beruhigt, dass ich wohl schon im kommenden Jahr mit einigen Dan in Australien besuchen werde. Wir sind vor allem alle echt traurig Huyen, unseren treuen immer gut gelaunten CEO, endgültig Tm bit!  Tschüss zu sagen. Huyen hat diese Reise durch seine tollen Tipps und durch seine Organisation zum einem ganz besonderen Erlebnis gemacht. Durch ihn habe ich auch Vietnam in mein Herz geschlossen und werde sicherlich nicht das letzte Mal hier gewesen sein!