Der Lares Trek - "Stiefkind" jeder Peru-Reise? - Teil 2

Tag 2

Peru

Gegen halb sieben wurden wir vom liebevoll genannten tentman mit einem starken Coca-Tee und einem strahlenden Lächeln geweckt. Die erste Nacht war wirklich kalt, sollte aber auch nicht die kälteste gewesen sein. Morgentoilette, Frühstück und los.

Der zweite Abschnitt war laut unserem Guide der anstrengendste der ganzen Wanderung. Den Pass konnte man in der Ferne schon ganz gut erkennen und meine magnesiumleeren Muskeln bekamen es sofort mit der Angst zu tun. Aber frisch gestärkt von einem tollen Frühstück und dem Ehrgeiz, es seinem Körper jetzt mal richtig zu zeigen, wanderten wir los. Viel Vegetation gibt es in diesen Höhen nicht mehr. Vorbei an steinernen Zäunen, kleinen Steinhütten und windschiefen Bäumen machten wir uns Richtung Pass auf. Hier und da warteten bereits die Kinder am Wegesrand oder kamen mit einem lauten Lachen angerannt. Wir verteilten Buntstifte, Radiergummi und Anspitzer, die Männer in den Anden freuten sich am meisten über die Coca-Blätter. Ungefähr drei Blätter werden zusammengerollt, mit etwas Asche bestrichen und anschließend zwischen Wange und untere Backenzähne geschoben. Zuvor kaut man noch drei mal darauf herum, damit sich die Aromastoffe besser lösen können. Die Asche schmeckt süßlich.

Auch wir durften die traditionelle Weise des Coca-Kauens ausprobieren, denn es hilft unwahrscheinlich gut gegen die Höhenkrankheit. Viel trinken reicht manchmal eben nicht aus und einen Coca-Tee kann man auch nicht überall zubereiten. Ich vergaß also alle meine hygienischen Vorstellungen und stopfte mir die etwa watterollengroße Mischung in die Backe. Gar nicht so schlecht - aber Zahnärzte sind von dieser Art Kaugummi sicherlich nicht sehr begeistert.

Peru

Der Pass war bereits zum Greifen nah, als es anfing zu hageln. Es gab einen enormen Temperatursturz, am liebsten hätte ich mir Handschuhe angezogen. "Stehenbleiben ist nicht!", leiteten meine müden Muskeln an das Hirn weiter. Also lief ich einfach weiter, während die M&M-großen Hagelkörner auf meiner kalten Haut einschlugen. Bis sich oben alle gesammelt hatten, vergingen auch noch einige Minuten, aber dann konnte unser Guide endlich das Gruppenfoto schießen. Auf der anderen Seite ging es steil bergab und die Hagel-Regen-Mischung verwandelte den Hang in eine gefährliche Rutschpartie. Mir war kalt, ich war müde und vom Regen bereits klatschnass. Die nächsten zwei Stunden ging es einfach nur steil bergab. Nicht gerade meine Lieblingsdisziplin. Alle liefen für sich, alle in Gedanken, unsere Körper funktionierten automatisch.

Dort, direkt hinter dem Pass, veränderte sich die Landschaft komplett. Knorpelige Bäume wuchsen neben zarten Blumen. Ich kam mir vor wie in einem Wald aus Herr der Ringe und knipste genauso wild in der Gegend herum wie unsere japanischen Freunde. Deshalb kam ich auch als letzte im Camp an, aber noch rechtzeitig zur täglichen Teatime mit Tee, Keksen oder Popcorn. Der Guide warnte uns bereits während des Abendessen vor, diese Nacht würde wohl noch kälter werden. Ich zog also alles an, was ich noch an Klamotten dabei hatte und fühlte mich wie ein Michelin-Männchen in meinem geliehenen Mumienschlafsack. Eingeschlafen bin ich dann trotzdem irgendwann, nachdem der gefühlte Jahrhundertsturm über uns hinweg gezogen war.

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